Jugendsozialarbeit-Projektreihe V³
Im Jahr 2008 entwickelte die Offene Jugendarbeit Hard gemeinsam mit der Offenen Jugendarbeit Lauterach das Jugendsozialarbeitsprojekt V³- Vandalismus – Vorurteile –Vorbild.
Seither wird das Projekt jährlich als Jahresschwerpunkt fortgesetzt:
Kreative, langfristig wirksame Lösungsansätze in der Einzelfallarbeit, Arbeit mit Gruppen sowie Gemeinwesenarbeit zum Thema Vandalismus / Gewalt konnten im Rahmen der Projektreihe erarbeitet werden.
Zielgruppe:
Jugendliche
Erwachsene / Bevölkerung
Kooperationen:
Gemeinde
Schule
Exekutive
soziale Einrichtungen
Auszug aus den Projektinhalten:
Boxsäcke wurden in den Jugendtreffs zum Dampf ablassen und zum Frustabbau aufgehängt. Dies ermöglichte einen niederschwelligen Zugang zum heiklen Thema. Vorurteile wurden mit den Jugendlichen thematisiert.
Vorurteile – Plakataktion: Mit Jugendlichen und Erwachsenen wurde das Thema Vorurteile reflektiert und die Öffentlichkeit wurde so für die Anliegen der Jugendlichen sensibilisiert. Jugendliche setzten sich kreativ mit der Frage „Wie möchten wir wahrgenommen werden?“ auseinander. Sechs Plakate zeigen die bestehenden Vorurteile auf, welche die Jugendlichen mit originellen Fotos widerlegen.
Pappjugendliche: Jugendliche halten sich häufig an den öffentlichen Plätzen der Gemeinden auf. Dies birgt Konfliktpotenzial zwischen den Generationen. Mit Jugendlichen als Pappfiguren in Originalgröße wird signalisiert, dass auch junge Menschen Anspruch auf die Nutzung des gemeinsamen Raumes haben. Jugendliche wurden im Aneignungsprozess öffentlicher Freiräume begleitet. In einem Jugendbeteiligungsprozess wurden die Jugendlichen für die Pappfiguren gemeinsam ausgewählt. In diesem Rahmen fand die Auseinandersetzung statt:
„Wie wirke ich auf andere?“
„Wie möchte ich auf andere wirken?“
„Was bringt meine Wirkung auf andere mit sich?“
Umgangsanleitung: Als „Best-Praktik-Modell“ zum Thema Kinder- und Jugendfeindlichkeit wurde von der Offenen Jugendarbeit Hard und Lauterach Erwachsenen ein Flyer, der im Umgang mit Jugendlichen Hilfestellung leisten soll, zugänglich gemacht. Die Umgangsanleitung für das „Gerät Jugendliche/r“ ist als Handwerkszeug gedacht und soll Mut zur Auseinadersetzung mit Jugendlichen machen. Dadurch soll die Kommunikation zwischen den Generationen gefördert werden.
Bei der Ausarbeitung der Inhalte wurden Jugendliche mit einbezogen: sie reflektierten mit den JugendarbeiterInnen ihre Erlebnisse auf öffentlichen Plätzen und wurden so sensibilisiert, mit einer positiven Grundeinstellung auf Erwachsene zuzugehen. Die Umgangsanleitung wurde an etwa 12.000 Haushalte der Gemeinden verschickt – daraufhin bekamen wir viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.
Mobile V³ Station: Gewaltprävention bedeutet nicht allein Abgrenzung nach Außen, sondern auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Gefühlen. Dieser Prozess ist nicht immer einfach und wird oft ausgeklammert. Eine Erscheinungsform davon kann Vandalismus im öffentlichen Raum sein. Die V³ Station bot Jugendlichen die Möglichkeit, Formen zu entdecken, die es ihnen ermöglichen, mit negativen Gefühlen umzugehen, ohne sich selbst oder anderen zu schaden. Die V³ Station wurde an öffentlichen Plätzen, welche auch von Jugendlichen eingenommen werden, aufgestellt und von den JugendarbeiterInnen betreut. Ziel war der Kontaktaufbau zu jenen Jugendlichen, die sonst kaum erreicht werden und die kreative, neue Bearbeitung des Themas Vandalismus sowie die Auseinandersetzung mit Freiräumen.Die Station bewirkte Auseinandersetzungen mit dem eigenen Gewaltverhalten und durch gezielte Einzelgespräche konnten alternative Ventile aufgezeigt werden und die Jugendarbeit als kompetente Anlaufstelle bei Schwierigkeiten und Problemen (Jugendsozialarbeit) positioniert werden.
Mit der V³ Station wurden neben zahlreichen Jugendlichen auch viele interessierte Erwachsene aus der Bevölkerung erreicht.
Inhalte der V³Station waren:
Schreistation: ein Dezibelmesser machte sichtbar, welcher Lärmpegel verträglich und tolerierbar ist.
Boxbirne: angestaute Wut und Aggressionen konnten körperlich abgebaut werden.
Bank zum Ritzen: das legale Verewigen auf einer Parkbank öffnete Jugendliche für Gespräche („Was gibt mir das Zerstören öffentlichen Eigentums?“), die sonst kaum möglich sind.
Sumoringen: Spaßkämpfe wurden thematisiert und die Gradwanderung zwischen Spaß und Ernst sichtbar gemacht.
Dosenwerfen mit Pflastersteinen: Umwandlung von Wut und Angst in körperliche Anstrengung (Ventil).
Müllzielwerfen: aus dem leidigen Thema Müllentsorgung wurde eine lustige und spannende Sache gemacht.
Chill-out Bereich: um sich von den vielen Eindrücken zu entspannen, wurde hier die Möglichkeit geboten, sich in ruhiger Atmosphäre untereinander und mit den JugendarbeiterInnen auszutauschen.
Geduldspiele: diese erforderten Köpfchen anstatt Kraft.
Präsentation der Projektteile: Vorurteilsplakate, Pappjugendliche und Umgangsanleitung
Bauwagen: In beiden Gemeinden wurde mit Jugendlichen ein alter Bauwagen als mobiler Rückzugsort im öffentlichen Raum umgebaut. Die Jugendlichen gestalteten ihren Bauwagen nach ihren Anliegen. Die Bauwagen können nun flexibel an aktuellen Jugendtreffpunkten aufgestellt werden und dienen als mobile Anlaufstelle. Ausgestattet sind die Wagen mit verschiedenen Outdoorangeboten. Außerdem können die Wagen als niederschwellige Beratungsräume direkt vor Ort genutzt werden.
Jugendplätze: In Jugendbeteiligungsprozessen wurde mit Jugendlichen das Thema öffentlicheTreffpunkte für Jugendliche aufgearbeitet. Jugendliche haben ein Recht auf die Nutzung der Freiräume. Langfristige Lösungen im Umgang mit Lärm, Müll und Vandalismus wurden gesucht. Die Jugendlichen bekamen die Möglichkeit eigene Jugendtreffpunkte zu gestalten und waren vom Auseinandersetzungsprozess bei der Planung und Umsetzung mit eingebunden. So konnte eine Identifikation mitden entstandenen Treffpunkten erreicht werden.
Abgedrehte Gewalt: Zwei Mal konnte das Filmcamp in Kooperation mit der FH intermedia bereits angeboten werden. Jugendliche setzten sich in Kleingruppen mit Formen von Gewalt auseinander und brachten ihre persönlichen Erfahrungen ein. Es entstanden kreative Spots zu unterschiedlichsten Formen von Gewalt. Das Projekt hat 2010 den „Präventionspreis“ beim Österreichischen Präventionskongress in Graz verliehen bekommen.
Die Konzepte, sowie die Evaluation der Projektreihe V³ und auch die Flyer "Umgangsanleitung" und "Lexikon der OJA" können unter Downloads herunter geladen werden.